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die unverheiratete
7 D
April 1945. Eine junge Frau ist sehr aufgebracht. Man holt eine Militärstreife.
70 Jahre später. Die junge Frau ist jetzt eine alte Frau. Ihre Tochter findet sie in der Küche auf dem Boden. Sie ist gestürzt. Sie ist sehr aufgebracht. Man holt einen Rettungswagen.
Und im Krankenhaus tagen die Ärztinnen und die Schwestern, und vor 70 Jahren tagte ein militärisches Standgericht und ein Jahr später ein Volksgericht. Und eine junge Frau wird abgeführt. „Nicht unhübsch“, schreiben die Zeitungen, „aber reuelos“.
Und während die Tochter zum Grab des Vaters Blumen bringt, sammelt die junge Enkelin die Männer wie Schmetterlinge oder Briefmarken, sammelt der Staatsanwalt Aussage um Aussage, versammelt sich das Volk um Gericht zu sitzen, liest man Äpfel auf vom Boden auf dem Feld, und verliest der Richter sein Urteil. Und eine Tochter trauert um den Vater und ein fremder Vater um den Sohn.

Zwischen Vergangenheit und Gegenwart, zwischen Gefängnis und Gericht, Küche, Bett und Krankenhaus untersucht Palmetshofers Generationendrama mit einer hochartifiziellen und rhythmischen Sprache das Leben dreier Frauen. Es ist ein polymorphes Erinnern, eine Verhandlung, eine Rechtsprechung, und erzählt von der ausweglosen Verstrickung dreier Generationen in einem Netz aus Schuld und Liebe.
Uraufführung:
13.12.2014 | Burgtheater (Akademietheater) Wien
Regie: Robert Borgmann
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