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Einige Nachrichten an das All
Auftragsarbeit für das Nationaltheater Weimar im Rahmen des Werkauftrags des Berliner Stückemarktes 2010
3 D, 7 H, 1 Schauspieler mit spastischer Diplegie, 7 Kinder (Mehrfachbesetzung möglich)
Was ist die Handlung des Stücks?, fragen sich Lum und Purl Schweitzke, zwei kleine verkrüppelte Figuren, die sich nach einer Aufgabe sehnen; einem Grund, da zu sein. Sie beschließen: Ein gemeinsames Kind, dafür lohnt es sich zu leben. Schnell merken sie, dass sie ihr Schicksal nicht beeinflussen können, da ihr Leben in diesem Theaterstück festgeschrieben steht. Vielleicht kann der LdF, der Leiter des Fortgangs, helfen? Dieser gibt Personen aus Historie und Medien die Möglichkeit, ihre Botschaft über eine Apparatur ins All zu senden. Die sprachliche Verknappung ihrer Existenz, ein Wort, ein Leben. Oder hilft der Alleinerziehende Klaus Alberts, der um seine tote Tochter Hilda trauert? Oder der Forscher Rafinesque, vielleicht der Politiker Pofalla? Die wiedergeborene Hilda, der auferstandene Kleist? Sie alle aber sind nur die Protagonisten ihres eigenen Schmerzes und Scheiterns gegen die unerträglichen Regeln des Lebens – dagegen, dass man sterben muss, dass das All womöglich nur eine heillose Explosion ist. Lum und Purl Schweitzke sitzen und schauen und warten auf das Kind, das sie sich wünschen. Doch das Stück sieht keines vor für sie. Das Glück bleibt fern von diesem Ende, Purl Schweitzke erstickt sich selbst und lässt Lum einsam zurück, Kleist wird zum tiefverzweifelten Indianer – die Welt in Scherben, das Stück in Trümmern. „Weltraumschrott! / Alles, alles / Weltraumschrott!“ Wolfram Lotz begnügt sich nicht mit halben Sachen. Er provoziert, er zerlegt, er zerstört… und baut wieder neu zusammen. Der von der Lyrik kommende Autor begegnet dem Theater mit dem Blick des Außenstehenden und widersetzt sich konsequent den Gesetzen der klassischen Dramatik. In seinen Stücken spiegelt sich die Außenwelt in Splittern. Es gibt keine Tabus. Die Suche nach dem vermeintlichen Sinn des Lebens wird zum philosophischen Trash, in dem die Figuren gleichzeitig so zart und zärtlich blühen, dass die Furcht um ihre Vergänglichkeit allgegenwärtig wird.
Uraufführung:
24.02.2011 | Nationaltheater Weimar
Regie: Annette Pullen
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